Lull Gillen, futur champion du monde? (2)
Kaum war der Donner des Krieges verstummt, als ein anderer Donner, der Applaus des Pariser Publikums, sein Ohr umtoste bei seinem ersten großen Sieg im „Grand Prix de l’Avenir“ im Vel d’Hiv in Paris. Es bedurfte nicht mehr um die Aufmerksamkeit der internationalen Radsportkenner auf sich zu lenken. Schon beim zweiten Start in Frankreichs Hauptstadt fuhr er sich in alle Herzen ein. Klare Favoriten wurden von dem 16jährigen Knaben ausgeschifft und die große Überraschung war stets er. Frankreichs hoffnungsvollste Sprinter wurden abwechselnd geschlagen. Harris, Englands blonder gewaltiger Könner. den die französische Presse als schier unbesiegbar bezeichnete, musste vor den Augen tausender begeisterter Franzosen seine erste Niederlage von dem Luxemburger „großen“ Knaben einstecken. Alle, ob französischer, englischer oder belgischer Meister, figurieren auf Lull’s Siegerliste. Kein „Grand Prix“ wurde dieses Jahr bei den Amateursprintern in Europa gefahren, bei dem Lull nicht in den Finalen gewesen wäre. Es ist dies eine Leistung, die einzigartig da steht. In Paris, in London, in Zürich, überall sehen wir seine junge Riesengestalt in der vordersten Linie gegen erwachsene kampferprobte Männer. Wahrlich einen besseren Reklame-Agenten hätte unser kleines Ländchen nach dem Kriege nicht entsenden können.
Jawohl, unser Lull ist Student und dies mit allem Ernst. Was durch seine häufigen „déplacements“ versäumt, wird durch zähe Arbeit wieder wett gemacht. Auch hat der Radsport in ihm nicht den Sinn für Kunst erstickt, und die wenigen Mußestunden sind mit Klavierspiel ausgefüllt. A propos, wann können wir unsern „étudiant volant“ als
„cycliste musicien“ in einer Luxemburger Viertelstunde im Radio bewundern. Kompetenten Urteilen zur Folge, soll er auch auf diesem Gebiet seinen Mann stellen.
Eines steht fest, seine Erziehung vollzieht sich in einem wunderbaren Einklang zwischen Seele, Geist und Körper.
(Journal consultö au Département ministériel des sports)