Gillen à la recherche d'un partenaire (2)
Wenn wir gut unterrichtet sind, machte Bevilacqua in Brüssel nicht mit, weil er gegebenenfalls die Strafe und die eventuelle Suspendierung befürchtete. Anderseits wollte der Italiener aber auch nicht in Brüssel kontraktbrüchig werden. Deshalb schien er Erkrankung vorgetäuscht zu haben, um aller Sorgen los zu werden. Der Leidtragende aber war wiederum Lull Gillen, dem man kurz vor Beginn des Rennens den holländischen Ex-Weltmeister Arie Van Vliet zum Partner gab. Gewiss, Van Vliet ist ein vorzüglicher Bahnfahrer und hatte voriges Jahr im Antwerpener Sechstagerennen seine große Klasse unter Beweis gestellt. Aber Van Vliet war für das Brüsseler Rennen, von dem er vor 48 Stunden noch nicht wusste, an das er niemals gedacht hatte, gar nicht vorbereitet. Der Holländer machte gute Miene zum bösen Spiel. Er verteidigte sich im „Prologue“, einem Mannschafts-Rennen über 50 km, das Schulte-Peters gewannen, ausgezeichnet und belegte mit Lull den höchst ehrenvollen 2. Platz. Die ersten Nächte in Brüssel zeigten aber recht deutlich, dass das Einrodieren Van Vliets Lull Gillen zum Verhängnis gereichen musste . Nach 48 Stunden holten die Beiden zwar zu einem famosen Schlage aus und sicherten sich sogar zeitweilig den ersten Platz. Das war jedoch nur von ganz kurzer Dauer und dann folgte begreiflicherweise der Rückschlag. Am 5. Abend waren bis zu 7 Verlustrunden hingenommen worden, die schließlich nach einer letzten Anstrengung bis auf eine Runde wettgemacht werden konnten. Dann aber war das Maß voll und Van Vliet ausgepumpt. Obendrein hatte sich Van Vliet eine schwere Erkältung zugezogen und 4 Stunden vor Schluss gab dann die Mannschaft Van Vliet-Gillen hoffnungslos auf. So wohnte Lull den letzten Stunden des Rennens als stiller Zuschauer bei, mit Tränen in den Augen.
(Journal consulté au Département ministériel des sports)